Positionen der Nichtbesetzer
Die Liberale Hochschulgruppe München e.V. missbilligt die Inbesitznahme der Akademie der bildenden Künste und der Ludwig-Maximilian-Universität durch Unruhestifter. Deren vorläufige Positionen (9. November) sind einfältig und bedürfen einer vollkommenen Revision.
Ein Frontalangriff auf das Konzept der „unternehmerischen Universität“, sprich der Technischen Universität, lässt dessen exzellente Studienbedingungen und internationales Renommee außer Acht. Die Nähe zur Wirtschaft bedeutet gleichzeitig Realpolitik. Stiftungslehrstühle könnten ohne nicht existieren. Die bemängelte Umstellung von gewohnten Abschlüssen auf Bachelor und Master vollzieht sich mit Hindernissen. Gleichzeitig ist sie jedoch Innovator und Motor für Deutschland.
Bildung ist alles andere als kostenfrei. Tatsächlich geht es darum, ob Eigenverantwortung auch Bereitschaft zur Investition in die persönliche Zukunft nach sich zieht. Wohl benötigen die konkreten Finanzierungsmöglichkeiten Verbesserungen, nicht jedoch die freie Planung eines Studiums an sich. Beim Vorschlag eines Lernendengehalts driftet der Protest endgültig in die Skurrilität ab.
Reformpädagogik, die einzig auf Didaktik ausgelegt ist, verfehlt den Anspruch auf ein inhaltlich gefestigtes und herausforderndes Lernen. Paritätische Mitbestimmung endet dort, wo Emanzipation die Kompetenz übersteigt. Trotz aller Kritik an Konkordatslehrstühlen, garantieren sie die oft benachteiligte geisteswissenschaftliche Ausbildung an bayerischen Hochschulen.
Ziel der Inneren Führung der Bundeswehr ist die Heranbildung intellektuell belastbarer Offiziere. Durch Komplexität im zukünftigen Beruf und Verankerung der Streitkräfte in der Zivilbevölkerung ist eine Ausbildung auf höchstem Niveau unverzichtbar. Dazu ist eine umfangreiche finanzielle Förderung und exzellente Bildung an den Universitäten der Bundeswehr, so auch in München, gewollt. Die Einrichtungen sollten für die Demonstranten Vor- anstatt Feindbild sein. Individuelle Lebenskonzepte der sich Verpflichtenden und damit Entscheidungen über Ausübung des Dienstes, werden von uns nicht in Frage gestellt. Die friedliche Austragung von Konflikten ist vielmehr ein ethisches als bildungspolitisches Bedürfnis.
Quoten für Frauen sind schon deshalb bedenklich, weil eine Abstinenz von entsprechenden Männerreglungen vorliegt. Der Gleichheitsgrundsatz mag hier zur Sprache kommen.
Die Solidarisierung der Besetzer mit Migranten ist ein achtbares Ziel nicht aber bis dato politisch unbesetztes. Per se die Kongruenz aller akademischen Ergebnisse anzunehmen, verbietet sich und obliegt der Einzelfallentscheidung. Vergleichbarkeit ist nur dann gewährleistet, wenn Unterschiede bekannt sind und vernünftig aufgearbeitet werden.
Unsere Liberalen Hochschulgruppen wollen und können sich nicht mit beliebigen Protestlern in und außerhalb Deutschlands verbrüdern. Die Integrität und normierte Unterschiedlichkeit eines jeden einzelnen (Bundes-)Landes wird von uns auch in Zukunft geachtet.
Benjamin Blumenthal